headful

Ich kann es noch immer nicht glauben. Aber es passiert wirklich. Wir sind hier, am Flughafen. In ein paar Stunden wird Paola das Land verlassen und damit auch mich.

Wir stehen vor dem Schalter. Ich helfe ihr mit dem Gepäck. Sie gibt zwei große Koffer auf. Wenn man bedenkt, dass sie ihr komplettes Leben hier aufgibt und dort ein neues beginnen wird, ist das nicht besonders viel.
Willkürlich huscht das Gefühl von Neid durch meinen Körper. Das muss toll sein, ein neues Leben anzufangen. Ganz frisch und neu und aufregend. Sie kann sich neue Möbel kaufen und Kleidung. Und eine neue Wohnung finden. Und eine neue Freundin.
Ah, hör auf damit, Mia! Aber ich kann es nicht verhindern. Mir kommen wieder die Tränen. Ich reibe mir, wie ich hoffe, unauffällig die Augen, aber Paola sieht es natürlich trotzdem. Sie zieht mich beiseite. Hat sie überhaupt eingecheckt? Ist sie schon fertig?

Paola: „Mia, es tut mir so leid!“
Ich winke ab und murmle irgendetwas. Die Tränen rollen jetzt nur so aus meinen Augen heraus.
Paola steht schweigend vor mir, ihr Reisepass in der Hand. Sie reicht mir ein Taschentuch. Ihr Gesichtsausdruck ist eine Mischung aus Empathie und Ungeduld. „Ich muss diese Chance einfach ergreifen. Irgendwann wirst du mir das verzeihen, hoffe ich.“
Meine Schultern heben sich. Ich weiß nicht, was ich sagen soll. Es tut einfach weh.
Sie schaut zu dem Schild, das den Weg zu den Sicherheitskontrollen zeigt. Ich verstehe. Sie will los.
Sie geht einen Schritt nach vorne und drückt mich an sich.
„Irgendwann werden wir zurückschauen und die Notwendigkeit dieser Tragödie erkennen, ich verspreche es dir!“
Sie gibt mir einen Kuss auf die Wange. Ich bin sprachlos. Ich kann nicht glauben, dass das hier gerade wirklich passiert.
„Ich werde dich vermissen, Mia!“
Sie wartet auf keine Antwort. Sie dreht sich weg und geht. Ihr Schritt ist zügig und bestimmt. Ihre dunklen Haare, zusammengebunden in einem praktischen Zopf, schwanken leicht hin und her. Sie dreht sich noch einmal um und winkt mir zu.
Um sie herum wabert es nur so von ekelhafter Euphorie. Es ist schwer zu ertragen.

Dann ist sie weg.

Das war’s.

Copyright © 2025 Carolin Petermann